Bach: Missa h-Moll mit ChorWerk Ruhr

Johann Sebastian Bach
"Messe h-moll" BWV 232

Wer die Messe h-Moll kennt, der kennt schon viel von Bach, denn in mancherlei Hinsicht hat der Thomaskantor  mit seiner um 1749 entstandenen Vertonung des lateinischen Ordinarium Missae die Summe seines geistlichen Vokalmusikschaffens gezogen. So flossen per „Parodieverfahren“ unterschiedlichste Schichten seiner Kompositionskunst ins traditionell repräsentative Großformat Messe ein: Im Zentrum des Credo etwa steht das Et incarnatus est als mutmaßlicher letzter Chorsatz aus Bachs Feder direkt neben dem Crucifixus, das die Bearbeitung einen Kantaten-Chorsatzes von 1714 ist – eine gründliche Umarbeitung, versteht sich, denn Bach kopierte sich selbst niemals leichtfertig zur bloßen Arbeitsersparnis.

Auch kompositionstechnisch präsentierte Bach in der großen Messe die ganze Breite seines Könnens: DasConfiteor ist eine kontrapunktische Tour de force mit eingearbeitetem gregorianischem Cantus firmus ganz im Stil der Alten Meister; es mündet allerdings in eines der raffiniertesten harmonischen Labyrinthe, das er je geschaffen hat – nicht zum Selbstzweck „l’art pour l’art“, sondern zur musikalischen Versinnbildlichung des Verwandlungsvorgangs, als den sich die christliche Theologie die individuelle Auferstehung der Toten vorstellt.

Bei alledem kommt der entfesselte Jubel nicht zu kurz, wie z. B. der hochvirtuos konzertante Gloria-Schlusssatz immer wieder aufs Neue beweist. Dargeboten im Geiste der „historisierenden Aufführungspraxis“ – und dafür steht mit seiner umfassenden Erfahrung auch das Instrumentalensemble Concerto Köln – kann die h-Moll-Messe heutzutage ihr volles Potential in konzertantem Rahmen entfalten, zum Lobe Gottes und auch (das hätte er vermutlich nicht gern gehört) zum Ruhm des großen J. S. Bach.

 
ChorWerk Ruhr
Markus Hoffmann, Konzertmeister
Florian Helgath, Leitung

Zurück