Hasse: Leucippo

Leucippo

Musik von Johann Adolph Hasse 1699 – 1783
Text von Giovanni Claudio Pasquini

Koproduktion der Schwetzinger SWR Festspiele mit der Oper Köln
Konrad Junghänel, Musikalische Leitung
Tatjana Gürbaca, Regie
Henrik Ahr, Bühnenbild
Barbara Drosihn, Kostüme

Carsten Jenss, Dramaturgie
Andreas Grüter, Lichtdesign

Vasily Khoroshev, Leucippo
Francisco Fernández-Rueda, Narete
Franziska Gottwald, Dafne
Netta Or, Climene
Claudia Rohrbach, Delio
Holger Falk, Nunte

Concerto Köln
Barock Vokal Mainz

 

Bisweilen spiegelt sich im Werk großer Künstler so ungebrochen der Geist ihres Zeitalters wider, dass sie selbst mit dessen Ende der Vergessenheit anheimfallen. Johann Adolph Hasse (1699–1783), Sohn einer norddeutschen Musikerfamilie und Schüler Alessand- ro Scarlattis, wurde von den Zeitgenossen der Aufklärungsepoche ohne Einschränkung neben Bach, Händel und Vivaldi gestellt. Pietro Metastasio, der bedeutendste Librettist Europas, arbeitete eng und lange mit ihm zusammen, der Gesangsstar Farinelli war ihm ein en- ger Freund und die berühmteste Sängerin der Zeit, Faustina Bordoni, liebte seine affektgeladenen Rache-, Eifersuchts- und Liebesarien so sehr, dass sie ihn selbst gleich heiratete. Hasse brachte es auf ganze 42 Opernwerke. Nur selten schafft es eine dieser tönenden Kostbar- keiten auf die Gegenwartsbühnen. Die mit dem toskanischen Librettisten Giovanni Claudio Pasqui- ni ausgearbeitete Favola Pastorale »Leucippo« wurde 1747 in der Dresdner Hubertusburg, einer beim Adel beliebten, eher intimen Spielbühne, uraufgeführt. Später überarbeitete er sie unter an- derem für Schwetzingen (1757) nicht unerheblich. Gemäß der so beliebten Gattung des tonidyllischen musikalischen Schäferspiels widmet sich Hasses Werk einem alten und recht häufig verwand- ten Stoff. Es geht darin um die Liebe des Jünglings Leucippo zu der schönen Dafne. Der Titelheld, im Knabenalter entführt, trifft auf den Oberpriester Narete, in Wirklichkeit sein leiblicher Vater, der seine Bestrafung zu betreiben hat – ein veritabler ödipaler Randkonflikt. Dafne, der zu ewiger Keuschheit verpflichteten Priesterin der Diana, der göttlichen Protektorin der Jungfräulichkeit, ist der Held gänzlich verfallen. Damit einhergeht – wie auch anders? – der dramatische Konflikt zwischen Pflicht und Neigung. Das gängige Happy End of- feriert auch dem obligatorischen zweiten Liebespaar, bestehend aus Leucippos Schwester Climene und seinem Freund Nunte, den er- sehnten Hochzeitssegen. Vernunft und Natur haben sich damit, als getreue Kinder Jean Jacques Rousseaus, aufs Innigste vereint.

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